News | Umsetzen | 13. April 2021

Die Notwendigkeit, Abstand und Nähe in Projekten auszubalancieren ist schwieriger denn je. Mit diesen Massnahmen können Innovationsflauten, Entfremdung und Überarbeitung vermieden werden.

Verfasst von: Thomas Städler

An unseren drei Standorten sind die Arbeitsplätze momentan meist verlassen. Erste Staubschichten auf Monitoren und Tastaturen sind zu erkennen. Homeoffice ist angesagt und dort wird ausserhalb der CSP-Büros fleissig gewirkt.

Diese Verlagerung der Arbeit vom Büro ins «isolierte» Homeoffice birgt jedoch auch ein paar Risiken, wie ich zum Teil schmerzlich selbst erlebt habe.

Innovationsflaute trotz innovativen virtuellen Workshops

Virtuell durchgeführte Besprechungen und Workshops sind in immer mehr Projekten mittlerweile Standard. Die Projektteams der meisten IT-bezogenen Projekte, die wir begleiten dürfen, haben sich längst an die virtuellen Meetings und die damit verbundenen Anforderungen gewöhnt: den Verlockungen widerstehen und sich nicht durch den sich füllenden E-Mail-Posteingang ablenken lassen, einander ausreden lassen, Meetings mit den Besprechungszielen und der dazu verfügbaren Zeit beginnen etc. So innovativ die Arbeitsform mit den dazu eingesetzten Tools auch ist, zeigen sich die Grenzen der mit ihnen möglichen Besprechungsarten jedoch schnell.

Mir ist es in den vergangenen Monaten mehr als einmal passiert, dass ich Workshops, insbesondere mit grösseren Gruppen, abbrechen musste, um dann in kleineren Teams in physischen Treffen erfolgsversprechende Ergebnisse zu erarbeiten. Mein Tipp: wenn schon in der Planung von virtuell durchgeführten Workshops die Zielerreichung ungewiss ist, unbedingt rechtzeitig nach Alternativen mit besseren Erfolgsaussichten suchen und angehen. So werden Verzögerungen und Frustrationen vermieden.

Physical Distancing und nicht Social Distancing

Etwas abseits von Projekten und Fachgesprächen lege ich Wert auf «Smalltalk». Ich erkundige mich bewusst nach dem Befinden meiner Projektteam-Mitglieder. Denn unsere Gesellschaft lebt von gegenseitiger Aufmerksamkeit und ich nehme mir Zeit dafür. Im informellen Austausch kommt das Gespräch häufig auf Themen, die das aktuelle Projekt, bestimmte Arbeitspakete oder die Zusammenarbeit betreffen. Diese Gespräche sind zu einem Bestandteil meines Risikomanagements geworden. Da gemeinsame Pausen im Moment rar und virtuelle Sitzungen unpersönlicher sind als physische Treffen, kommt der persönliche Austausch, unabhängig von der Arbeit, momentan leider oft zu kurz. Daher ist es wichtig, sich bewusst die Zeit dafür zu nehmen und sich beispielsweise ein paar Minuten früher ins Meeting einzuwählen. Auch ein Telefonanruf ohne konkretes Thema, einfach nur um sich über das Befinden zu erkundigen, tut der angesprochenen Person gut und hilft, das Gespür füreinander nicht zu verlieren.

Work Life Balance

Die Arbeit im Homeoffice ist faszinierend effizient und effektiv, nicht nur wegen des eingesparten Arbeitswegs. Allerdings birgt es im Gegenzug aber die Gefahr, nicht mehr richtig «abzuschalten». Da niemand sonst zugegen ist, werden Pausen durchgearbeitet, Arbeits- und Privatzeit sind oft überlappend. Konsequentes Einteilen der Arbeitszeit ist daher ein absolutes Muss. Und ab und zu vom Bürostuhl aufstehen, Frischluft zuführen und am Wochenende keinen Fuss ins Homeoffice setzen ebenfalls. Falls kein separater Raum für das heimische Büro vorhanden ist, sollte nach Feierabend das Notebook weggeräumt werden, um nicht in Versuchung zu geraten, schnell noch etwas zu erledigen. Auch gemeinsame, virtuelle Pausen mit dem Team helfen dabei, Pausen auch wirklich einzuhalten und unterstützen den sozialen Austausch.

Genauso wie der «normale» Arbeitsalltag stellt uns auch der «virtuelle» immer wieder vor Herausforderungen. Patentlösungen dafür gibt es nicht, denn so individuell die Herausforderungen sind, so individuell sind auch die Herausgeforderten. Mein Tipp: seid mutig, sucht neue eigene Wege. Es klappt vielleicht nicht alles sofort. Aber Anpassung ist ein Prozess, der niemals abgeschlossen ist.