«Vom EPD zum E-GD: der Health Data Space als Türöffner»
– Findings

Vom elektronischen Patientendossier (EPD) zum umfassenden elektronischen Gesundheitsdossier (E-GD): Der Weg ist geebnet, doch der Erfolg hängt von der konsequenten Standardisierung, klaren gesetzlichen Rahmenbedingungen und einem spürbaren Mehrwert für alle Beteiligten ab.
Der CSPimpuls vom 12. März 2026 im Hotel Renaissance in Zürich beleuchtete die aktuellen Entwicklungen rund um den Swiss Health Data Space (SwissHDS) und das künftige E-GD. Die Diskussionen machten deutlich, dass technologische Lösungen zwar bereitstehen, aber die organisatorische und regulatorische Umsetzung sowie die Akzeptanz bei den Leistungserbringern die entscheidenden Faktoren bleiben.
Impulse aus der Praxis: Das Portal-Modell der i-engineers
Ein Blick auf das Grossprojekt «Mein-Krankenhaus.Digital» in Deutschland, präsentiert von the i-engineers, zeigt das Potenzial zentraler Plattformen auf. In nur zwölf Monaten wurde dort ein Portal etabliert, das Daten direkt vorhält und über 140 Einrichtungen vernetzt.
Eine zentrale Erkenntnis: 80% der Nutzer bevorzugen einen spezifischen Standard, was unterstreicht, dass zwar Wahlfreiheit herrschen sollte, klare Standards aber die Akzeptanz fördern.
Interessanterweise zeigte sich, dass moderne Kommunikationsformen wie Chat-Funktionen für die Terminvereinbarung klassischen Telefonaten vorgezogen werden; ein Zeichen für den Wunsch nach effizienten, digitalen Interaktionen. Zudem erweisen sich oft unerwartete Akteure, wie die Patientenadministration, als treibende Kräfte für die interne Umsetzung in den Spitälern.
Das EPD als Fundament: Stärken nutzen, Schwächen beheben
Nicolai Lütschg (emedo/eHealth Aargau) betonte, dass das E-GD nicht alles radikal verändern wird, sondern auf bestehenden Strukturen aufbaut. Das aktuelle EPD funktioniert technisch, leidet aber unter systemischen Schwächen wie der «doppelten Freiwilligkeit», die für einen flächendeckenden Erfolg beseitigt werden muss. Interessante Unterschiede zeigen sich in der regionalen Akzeptanz: Ein Blick in die Westschweiz (CARA) zeigt, dass die staatliche Finanzierung des Betriebs die Akzeptanz massiv steigert und Skaleneffekte ermöglicht. Dies war auch die treibende Kraft für den Zusammenschluss von Cara, emedo und eSanita. Wenn die EPD-Plattformen den Röstigraben überwinden können, wäre es wünschenswert, dass dies auch auf politischer Ebene erfolgt. Die Digitalisierung des Gesundheitswesens kann nur erfolgreich sein, wenn mit starker Führung aus der Politik das Vorhaben unterstützt wird.
Lütschgs Plädoyer: Zuerst die Schwächen im bestehenden System beheben, anstatt zu viele neue Baustellen zu eröffnen.
Die Strategie des Bundes: Iterativ zum SwissHDS
Patrick Hirschi vom Bundesamt für Gesundheit (BAG) erläuterte das strategische Vorgehen beim Aufbau des SwissHDS. Anstatt eine starre Mega-Plattform zu bauen, setzt der Bund auf einen iterativen Ansatz mit einer «Koalition der Willigen» aus Softwareanbietern, in welcher HL7 FHIR als zentraler Standard definiert wurde. Der Fokus liegt im ersten Schritt auf der reinen Verfügbarkeit der Daten, während die semantische Tiefe für die Sekundärnutzung später folgt. Als erste Anwendungen sind die E-Medikation (geplante Umsetzung bis Ende 2028), Laborberichte und Überweisungen vorgesehen.
Klar ist jedoch: Für den SwissHDS und die dezentrale Datenhaltung sind neue Rechtsgrundlagen zwingend erforderlich. Parallel dazu soll eine Community aufgebaut werden, um den Austausch unter den Akteuren zu fördern.
Podiumsdiskussion: Leadership und Mehrwert als Erfolgsfaktoren
In der von Janina Koch und David Kern (beide CSP) geleiteten Podiumsdiskussion wurde deutlich, dass trotz Aufbruchstimmung noch kritische Hürden bestehen.
Thomas Zurkinden (Post Sanela) begrüsste den SwissHDS als Schritt für Sicherheit und Skalierbarkeit, warnte jedoch vor der ungeklärten Finanzierung des E-GD. Er forderte eine dringende Harmonisierung der Primärsysteme, insbesondere in ambulanten Praxen, da ohne diese Harmonisierung man da wie ein «Gärtner ohne Rechen» dastünde.
Die technische Perspektive wurde durch Dr. Roeland Luykx (HL7 Benutzergruppe Schweiz) und Dr. Lukas Müller (CISTEC AG) ergänzt. Luykx unterstrich, dass ein reibungsloser Austausch ohne eine tiefe Semantik schwierig bleiben wird. Während im Laborbereich bereits Erfolge bei der Interoperabilität erzielt wurden, müsse HL7 FHIR für den SwissHDS nun weiter spezifiziert werden. Müller betonte die Bereitschaft der Softwarehersteller, Schnittstellen zu bereinigen und Standardisierungsbestrebungen aktiv zu unterstützen.
Zentrale Erkenntnisse der Diskussion:
- Leistungserbringer als treibende Kraft:
Das Potenzial der Leistungserbringer als entscheidende Stakeholdergruppe lässt sich dann voll ausschöpfen, wenn diese den konkreten Nutzen der Interoperabilität für ihren Alltag erkennen. Eine transparente Übersicht über die verschiedenen digitalen Aktivitäten würde es ermöglichen, komplexe Themen strategisch untereinander aufzuteilen, Wissen gezielt zu teilen und so voneinander zu profitieren. - Nutzen vor Aufwand:
Für viele Leistungserbringer bedeutet die Digitalisierung aktuell primär Zusatzaufwand ohne gesicherte Finanzierung. Daher müssen dringend Mehrwertdienste für Patienten geschaffen werden, um die Akzeptanz zu erhöhen. - Leadership:
Es braucht einen klaren «roten Faden» und eine starke Führung, um föderalistische Stolpersteine zu überwinden.
Fazit: Der eigentliche «Gamechanger» ist die organisationsübergreifende Kooperation. Die Zeit bis zur Einführung des E-GD muss genutzt werden, um B2B-Pfade zu definieren, Integrationen voranzutreiben und Standards konsequent umzusetzen. Nur durch gelebte Visionen und eine starke Leadership wird der digitale Gesundheitsraum zum Erfolg für alle Beteiligten.
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